Die Initiative ist gescheitert

Ausführliche Stellungnahme der Deutschschweizer Sektion von Pro Fauna

Die Frist für die Unterschriftensammlung der eidgenössischen Volksinitiative «Für den Schutz der Grossraubtiere (Bär, Wolf und Luchs)» ist bald abgelaufen und die nötige Anzahl von 100’000 gültigen Unterschriften kann nicht mehr erreicht werden.
Wir danken allen freiwilligen Helfern die geholfen haben Unterschriften zu sammeln.
Besonderen Dank geht an das Team von Neuenburg, welche während der ganzen Kampagne sehr aktiv war. Und unser Dank gilt auch den Teams in der Deutschschweiz für ihre Hingabe.

Leider ist die Initiative aufgrund mangelder Ressourcen und an organisatorischen Hürden gescheitert. Auch wenn sich die grossen Organisationen nicht für die Initiative ausgesprochen haben, waren es doch einige Organisationen welche sich eingesetzt haben, welchen wir hier danken wollen:

ProTier

www.protier.ch

Tierpartei Schweiz (TPS)
www.tierpartei.ch

Online-Magazin zentral+
www.zentralplus.ch

Greenpeace Neuchâtel
www.greenpeace.org/switzerland/fr/agir/grore/neuchatel

Freiburger Tierschutzverein
www.spafribourg.ch

Parc Challandes
www.parc-challandes.ch

Tierschutznews.ch
www.tierschutznews.ch

Verein Wildtierschutz Schweiz
http://jagdkritik.ch

Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner
http://agstg.ch

Schweizer Vereinigung für die Abschaffung der Tierversuche
www.atra.info

Stiftung für das Tier im Recht (TIR)
www.tierimrecht.org

Schweizer Liga gegen Vivisektion und für die Rechte des Tieres
www.lscv.ch

Fondation MART
http://mart.ch

Borta.org
http://borta.org

SOS Chats Noiraigue (NE)
www.soschats.org

Association pour l’intérêt et le suivi du castor en Suisse
www.beaverwatch.ch

Die Unterstützung von zahlreichen Privatpersonen zeigt uns, dass in der Bevölkerung ein grosses Interesse am Schutz der Grossraubtiere in der Schweiz herrst, der diesen Namen auch verdient.

Wir hoffen, dass der Schutz dieser Tiere auch weiterhin durch andere Initiativen und Aktionen vorangetrieben wird.

Die online-Kanäle werden aktiv bleiben und weiterhin über die Entwicklung des Schutzes und der Grossraubtiere in der Schweiz allgemein informieren:

https://www.facebook.com/LSCVGegenTierversuche https://twitter.com/NoVivisectionCH

Grosszügige Entschädigungen trotz Fahrlässigkeit

Im Zusammenhang mit den zahlreichen Rissen von Nutztieren im Goms dieses Jahr und vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass die Risse von ungeschützten Tieren von den Walliser Behörden zum Kontingent für die Abschussbedingungen gezählt wurden, haben wir uns die Frage gestellt: Gibt es eine Unterscheidung bei den Rissentschädigungen betreffend der Schutzmassnahmen und der Wolfspräsenz?

Wie uns Frau Dr. Caroline Nienhuis der Abteilung Arten, Ökosysteme und Landschaften Sektion Wildtiere und Waldbiodiversität beim BAFU mitgeteilt hat, ist der Kanton Graubünden der alleinige Vorreiter in Bezug eine ensprechende Anpassung der Entschädigungen. Alle anderen Kantone, somit auch das Wallis, bezahlt immer gleich hohe Entschädigung, unabhängig davon, ob es in dem Gebiet seit längerer Zeit eine Grossraubtierpräsenz gibt und ob entsprechende Massnahmen ergriffen wurden. Den Mailverkehr dazu finden Sie am Ende dieses Artikels.

Was sich daraus schlussfolgern lässt: Radikale Wolfsgegner unter den Kleinviehhaltern haben überhaupt keinen finanziellen Anreiz ihre Tiere zu schützen. Denn erstens betreiben die Meisten die Schafhaltung als Hobby und zweitens bekommen sie sowieso die Risse entschädigt. Also wieso die Schafe schützen, wenn es finanziell überhaupt keinen Unterschied macht? Im Gegenteil, man spart sich Aufwand und schafft Gründe für einen Abschuss.

Dies ist ein wichtiger Punkt und wird von uns, sobald die Volksinitiative eingereicht ist und wieder Ressourcen frei sind, auf jeden Fall weiterverfolgt. So sollte die Bündner Regelung unbedingt in die Jagdverordnung des Bundes aufgenommen werden.

Mailverkehr BAFU Rissentschädigungen und Herdenschutz

Der Königsweg „Dialog“ ist gescheitert

Der nun achte „legale“ Wolfsabschuss seit dem Jahr 2000 zeigt dass der vielbeschworene Dialog in gewissen Regionen und bei gewissen Leuten schlicht nichts bringt. Griffige Massnahmen, wie die eidgenössische Volksinitiative «Für den Schutz der Grossraubtiere», sind nun gefragt.

Als wir für die eidgenössische Volksinitiative «Für den Schutz der Grossraubtiere (Bär, Wolf und Luchs)» auf die Suche nach Unterstützern gingen, kam von den meisten etablierten Naturschutzorganisationen eine Absage. Dies mit der Begründung man wolle auf den Dialog mit den Betroffenen und Behörden setzen. Dies ist sehr lobenswert und nebst der Information der Bevölkerung der wichtigste Grundstein für eine erneute Etablierung der Grossraubtiere in der Schweiz. Jedoch bringt der Dialog dort nichts, wo jedes Gesprächsangebot auf taube Ohren stösst wie dies im Wallis und vor allem im Goms der Fall ist.

Wie dies beim jüngsten Abschuss im Wallis der Fall war, werden die Bestimmungen der Grossraubtierkonzepte von den zuständigen Behörden nach Lust und Laune ausgelegt. Denn gerade im Wallis sind die Verantwortlichen praktisch ausnahmslos populistisch getriebene Politiker und Behördenmitglieder welche meist tief in den Jäger- und Kleinviehhalterfilz verstrickt sind. So entscheiden diese nicht nach bestem Wissen und Gewissen sondern, wenn immer möglich, gegen den Wolf. Dass gerade auch die interkantonale Kommission (IKK) Kritik an der Abschussbewilligung geübt hat interessiert im Wallis niemanden, denn um eine sachliche Auseinandersetzung mit der Thematik geht es hier überhaupt nicht.

Darum ist es nun wichtig, dass der Schutz der Grossraubtiere in der Schweiz endlich richtig verankert wird. So dass klipp und klar ist, dass es keine Abschussbewilligungen mehr gibt, wenn man nur genügend Wolfsrisse mittels ungeschützten Nutztierherden provoziert.

Deshalb fordern wir alle Personen und Organisationen, welche ernsthaft am Schutz der Grossraubtiere in der Schweiz interessiert sind, die eidgenössische Volksinitiative «Für den Schutz der Grossraubtiere (Bär, Wolf und Luchs)» zu unterstützen. Denn nur so können solch dumme wie nutzlose Abschüsse wie jetzt gerade im Wallis zukünftig verhindert werden.

Die Doppelmoral der Behörden

Petition „Berner Lüchsin „Luna“ soll leben“

Die Wölfe M35 und M38 reissen im Mai 2013 28 Schafe im Wallis und dürfen richtigerweise, da die Schafe nicht richtig geschützt waren, nicht abgeschossen werden. Nun reisst allerdings die Lüchsin „Luna“ sechs Tiere im Kanton Bern und soll sogleich getötet werden.

Dies zeigt eine schräge Doppelmoral der Berner Behörden. Denn die Walliser Tierhalter sollen ihre Tiere schützen und mit den, wohlgemerkt sehr seltenen, Verlusten leben. Dafür werden die Betroffenen auch angemessen entschädigt. Wenn die Schäden allerdings vor der Haustüre passieren, wie hier in Bern, dann sollen Schutzmassnahmen allerdings plötzlich nicht mehr rasch Umsetzbar und Zumutbar sein. Dass die Bedingungen für den Abschuss eines Luchses nach dem Konzept Luchs Schweiz bei weitem nicht erfüllt sind, wird ignoriert. Die Begründung, dass sich der Luchs auf Nutztiere spezialisiert habe ist geradezu lachhaft, wenn man bedenkt, dass einzenle Wölfe schon deutlich mehr Schafe gerissen haben, ohne dass dieser mit derselben Begründung abgeschossen wurde.

Die betroffenen Tierhalter schützen Ihre Tiere nicht, das ist der Grund wieso diese Tiere gerissen wurden. Schon ein Elektrozaun hält den Luchs genügend von einem Riss ab, wie der eidgenössische Jagdinspektor Reinhard Schnidrig in einem Artikel der Zeitung Der Bund erwähnt. Dass weitere Luchse in der Gegend leben und so auch weitere Schäden zu erwarten sind, wenn die Tiere nicht angemessen geschützt werden wird in diesem Fall völlig ausgeblendet.

Somit stellt sich die Frage: Sind die, bezüglich Grossraubtierschäden, eher unerfahrenen Verantwortlichen beim Berner Jagdinspektorat aufgrund des Drucks der Tierhalter eingebrochen? Oder gibt es sogar Verbindungen von Tierhaltern zu den Verantwortlichen, welche diesen Entscheid gefällt haben? Denn wie sonst wird ein streng geschütztes Tier so schnell und ohne Erfüllung der Bedingungen zum Abschuss freigegeben?

Noch ist es nicht zu spät für Luna, sie hat eine Gnadenfrist von einem gerissenen Tier erhalten. Damit sie auf jeden Fall weiterleben darf, bitte ich Sie folgende Petition zu unterzeichnen:

Petition „Berner Lüchsin „Luna“ soll leben“

Es braucht endlich einen sachlichen Umgang mit dem Thema „Grossraubtiere“ in der Schweiz.

Seit die Grossraubtiere in der Schweiz zurück sind, weht ihnen ein eisiger Wind entgegen. Ständig wird eine Gefährdung des Menschen herbeigeredet und Schreckensmeldungen von gerissenen Schafen und Ziegen verbreitet. Dies ist schlussendlich nichts anderes als die konsequente Weiterführung der Propaganda einiger Jäger gegen die Natur und ihre Selbstregulierung.

Das einzige sachliche, breit akzeptierte Argument für eine Freizeitjagt ist die Reduktion der Wildtierbestände zur Verhinderung von Schäden in Wald und Landwirtschaft. Nun wären nun die Grossraubtiere zurück in der Schweiz, um zumindest einen Teil dieser Funktion der Regulierung wieder zu übernehmen. Diese würden diese Funktion sogar um einiges besser erfüllen als die Jäger. Denn die Grossraubtiere fressen die schwachen, alten und kranken Tiere, was zu einer Stärkung des Genpools führt. So wird in Regionen mit Wölfen das Wild kräftiger und schwerer. Zudem werden so Krankheiten eingedämmt, welche Wild- wie Nutztiere befallen. Ganz anders ist dies mit den Freizeitjägern, die stets das schönste Tier innerhalb der gesetzlichen Richtlinien suchen und erlegen.

Nun wollen diverse Freizeitjäger aber nicht ihr Hobby reduzieren oder gar darauf verzichten. Sie kämpfen deshalb mit aller Macht für die erneute Ausrottung der Grossraubtiere in der Schweiz. So fand BR Doris Leuthard, auf Druck der Jagdlobby um Jean-René Fournier, mittels einer Interpretations-Änderung einen Weg, wie Grossraubtiere abgeschossen werden können, wenn diese die Freizeitjagt konkurrenzieren. Dass diese eigenmächtige Neuauslegung vom Generalsekretariat der Berner Konvention abgelehnt wurde, interessiert die zuständigen Personen nicht.

Damit die Jäger eine breitere Unterstützung finden, werden auch Schreckensgeschichten in Bezug auf Weidetiere verbreitet. Wenn man allerdings die Zahlen vergleicht muss man stark relativieren. 175 Nutztiere wurden 2012 in der Schweiz von Grossraubtieren gerissen. Gleichzeitig sterben ca. 10’000 Nutztiere eines unnatürlichen Todes, welcher leicht hätte verhindert werden können. Dazu gehört Absturz und Steinschlag durch schlechte Weidesicherung oder Krankheiten die nicht entdeckt werden, weil zu wenig oder gar keine Zeit bei den Tieren verbracht wird. Bei grossen Herden kommt es auch vor, dass beim Alpabzug nicht alle Tiere gefunden werden. Diese werden nicht mehr gesucht und verhungern so im Winter.

Unter dem Strich sind es so nicht einmal 5% der unnatürlichen Tode, die die Grossraubtiere verursachen und trotzdem wird da fast jeder Fall eines gerissenen Tieres in den Medien breitgeschlagen. Zudem zahlt der Bund die Ausbildung von Herdenschutztieren und entschädigt Massnahmen wie Herdenschutztiere, Weidesicherung und Behirtung. Trotzdem sind auf der Hälfte der Alpweiden die Tiere während der Sömmerung ohne jede Aufsicht, Schutz und Pflege.

So muss man bei einer nüchternen Betrachtung feststellen, dass ein vernünftiger und sachlicher Umgang mit dem Thema Grossraubtiere in der Schweiz gefragt ist. Regionen, die dichter besiedelt sind als Teile der Schweiz, wie das Trient oder North Vancouver, zeigen, dass ein Zusammenleben von Mensch und Tier weitgehend problemlos möglich ist.

Deshalb bitte ich Sie die Eidgenössische Volksinitiative «Für den Schutz der Grossraubtiere (Bär, Wolf und Luchs)» zu unterschreiben.